Ewa Partum

Pressetext M + R Fricke Berlin 2014

EWA PARTUM

Selbstidentifikation – self-identification
Ausstellung 30. Oktober bis 12. Dezember 2015

In unserer zweiten Einzelausstellung mit der polnischen Künstlerin Ewa Partum zeigen wir Werke, die 1980 in Polen entstanden sind: die zwölfteilige, wegweisende Fotoserie Selbstidentifikation sowie Stücke aus der Performance Frauen, die Ehe (Hochzeit) ist gegen Euch. Ausschnitte aus dieser Performance sind seinerzeit unter dem Titel "Frauenrechtlerin aus Polen" von der Polnischen Filmchronik (Polska Kronika Filmowa) gefilmt worden und wir freuen uns, diese Dokumentation in dieser Ausstellung zeigen zu können. 1980 tritt Ewa Partum in ihrer Ausstellung "Selbstidentifikation" in der Mala Galeria in Warschau als Provokation und aus Protest gegen die normierte Rolle der Frau in der sozialistischen Gesellschaft nackt auf und erklärt, zukünftig so lange mit ihrem nackten Körper zu intervenieren, bis Frauen eine eigene Kunst hervorgebracht hätten. Die in der Ausstellung gezeigten Fotocollagen aus der Serie Selbstidentifikation, in denen sie ihre nackte Präsenz an öffentlichen Orten simuliert, erwecken den Eindruck, als positioniere sich die völlig entblößte Künstlerin tatsächlich an verschiedenen Orten in Warschau: auf Straßenkreuzungen, zwischen Passanten spazierend oder einer Polizistin gegenüber stehend, eines der bekanntesten Motive aus dieser Serie. Nicht alle Fotos wurden seinerzeit ausgestellt, da sie von der Zensur verboten wurden, wie das Foto, in dem sie sich nackt vor dem Namiestnikowski Palast präsentiert, dem damaligen Regierungssitz.

Im selben Jahr veranstaltet die O.N. Galerie in Posen ein erstes Frauen-Kunstfestival. Ewa Partum tritt mit der Performance Frauen, die Ehe ist gegen Euch auf. Die Künstlerin erscheint vor dem Publikum als Braut in ein Hochzeitskleid gehüllt. Eine PVC Folie mit dem Etikett „For Men“ umwickelt die Kostümierung. Vor ihr ist ein weißer Stoff als Laufteppich ausgebreitet und von einem Tonband erklingt der traditionelle Hochzeitsmarsch. Sie schreitet über den weißen Stoff und fängt an, sich aus der Folie wie aus dem Kleid herauszuschneiden, bis sie schließlich nackt vor dem Publikum steht. Dann öffnet sich ein Vorhang hinter ihr für die Projektion „Change“ (1979) und sie erklärt den Anwesenden, dass sich die Frau am Tag ihrer Hochzeit in „eine Falle“ begibt. Am Ende der Performance signiert Ewa Partum Stücke des Brautkleides und verschenkt sie an das Publikum.

Ewa Partum gehört zu den Wegbereiterinnen der Konzeptkunst in Polen und gab schon sehr fru¨h wichtige Impulse fu¨r die Entwicklung der feministischen Performancekunst. 1945 in Grodzisk Mazowiecki /Polen geboren, debütierte Partum 1965 mit wegweisenden Arbeiten konzeptueller Kunst in den Bereichen Visuelle Poesie, Performance-Kunst und in der Untersuchung von Medienkünsten wie Film, Fotografie oder TV sowie im Bereich Kunst im öffentlichen Raum, in denen sie sich explizit mit Fragen einer feministischen Ästhetik auseinandersetzt.

Derzeit ist sie in der Gruppenausstellung Construction to Transmission: Art in Eastern Europe and Latin America, 1960-1980 im Museum of Modern Art, New York vertreten. Sie war in den letzten Jahren kontinuierlich an wichtigen, internationalen Ausstellungen beteiligt. Die City Art Gallery in Limerick und das Museum Sztuki in Lodz würdigten sie 2014/2015 mit retrospektiven Einzelausstellungen und ihre Arbeiten sind in wichtigen Sammlungen wie dem Museum of Modern Art, New York, der Tate Modern in London, der Sammlung Verbund, Wien und der Art collection Erste Group/Erste Foundation, Wien enthalten.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte die Galerie M+R Fricke.

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Press release M + R Fricke Berlin 2014

EWA PARTUM

Selbstidentifikation – self-identification
Exhibition 30. October until 12 December, 2015

In our second solo-exhibition with Polish artist Ewa Partum we will be showing works developed in Poland in 1980. A series of 12 photocollages titled Self-Identification, a groundbreaking work as well as pieces of her performance Women, marriage is against you. Part of the performance was filmed by the Polish „film chronicle“ and we are pleased to be able to present this film in the exhibition.

In the spring of 1980, an exhibition by Ewa Partum titled Self-Identification opened at the Mala ZPAF Gallery in Warsaw. The artist presented her series of photo collages showing her nude silhouette superimposed onto images of the cityscape.They gave the impression that the artist was strolling naked among the Varsovians – ordinary, gloomy, weary people. In the photographs, her figure wanderes down the main streets, crossed roads, joined queues outside grocery shops. The most famous photograph from the series shows the artist face to face with a militia woman officer managing the traffic. Not all works from the cycle were displayed at the Gallery – some of them were censored, like the photograph in which Partum’s figure was placed in front of Namiestnikowski Palace, which at the time served as the Council of State's headquarters.

In 1980 the O.N. Gallery in Posen organizes the first Festival for Art by Women. Ewa Partum’s appearence takes the form of her performance, Women, marriage is against you. The artist appears like a bride in her wedding dress and bound up in transparent plastic wrap with the caption „For Men“. White fabric was draped before her. She slowly walkes over it accompanied by a tape recording of the traditional bride marche. She begins to cut her way out of the wrapping and the dress, until she is finally standing naked in front of the audience. A curtain then opens behind her revealing a screen with a video projection of „Change“ (1979). She explains to the audience that a woman enters a „trap“ on the day she gets married. At the end of the performance Partum signs pieces of the cut-up wedding dress and gives it to the audience.

Ewa Partum is one of Poland’s most significant feminist artists, having created the first ever documented installation in a public space in Poland (Presence/Absence, 1965). Her work consists of installation, performance, photography and actions. Much of her work focuses on the power of signs and symbols, and touches upon public space, feminity, and a woman’s place within society. Her work is currently shown in the exhibition Construction to Transmission: Art in Eastern Europe and Latin America, 1960-1980 at the Museumof Modern Art, New York. In recent years Partum has participated in a number of important contemporary art shows around the world. In 2014/2015 she was presented in solo exhibitions at the Limerick City Art Gallery and at the Muzeum Sztuki in Lodz. Her works are in major public collections such as the Museum of Modern, Tate Modern, London, Sammlung Verbund, Vienna, Art collection Erste Group/Erste Foundation, Vienna.

For further information please contact the gallery M + R Fricke.

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