Katharina Schmidt

KATHARINA SCHMIDT - NEUE ORTE
25. Juni – 29. Juli 2011

In ihrem Frühwerk beschäftigte sich Katharina Schmidt mit Motiven aus der Alltagswelt, wie Signete und Ornamente, die sie Verpackungen, Werbeprospekten und Gebrauchsanweisungen entnahm. Für ihre raumübergreifenden Installationen übertrug Katharina Schmidt die im Rapport gemalten oder im Siebdruckverfahren reproduzierten Motive auf grosse Papierbahnen, die sie als Tapeten bezeichnet. (Stadt im Regal, Berlin u.a.O. 1998, Bungalow, Z 2000, Akademie der Künste Berlin 2000, Die Kunst gesehen zu werden, Neuer Aachener Kunstverein Aachen 2002).

Unsere aktuelle Ausstellung mit Katharina Schmidt ist dem zeichnerischen Werk der Künstlerin gewidmet, das die Grundlage ihrer groß angelegten Wandinstallationen bildet. Bei der Auswahl der oft ausschnitthaften Motive in den Papierarbeiten bedient sich die Künstlerin neuerdings einer eher malerischen Formensprache. Den Auftakt der Ausstellung bildet ein einfarbiges Plakat in Siebdrucktechnik, das 106 x 150 cm gross ist und den Titel Plan nach #10-194 trägt. Auf dem Plakat sieht man ein im Rapport aufgetragenes Motiv, das die Künstlerin digital nach einem ihrer Ölbilder bearbeitet hat. Es besteht aus einer Komposition von schwarzen sehr kräftig und schwungvoll gezeichneten Linien, die im Rapport gezeichnete Ellipsen verbinden. Das Motiv wiederholt sich als Hintergrund ganz zart gezeichnet bis an die Grenze des Papierformates reichend. Der strenge Rhythmus der sich wiederholenden Ellipsen wird durch die Setzung regelloser Linien durchbrochen und konterkariert den ornamentalen Charakter des Motivs.

Ausserdem zeigen wir in unserer Ausstellung unter anderem die Papierarbeiten aus den Serien La Grande Motte und Neue Orte.

Neben ihren Projekten zu Le Corbusiers L’Unité Habitation, dem Einkaufszentrum Centre Bourse in Marseille, den Plattenbauten von Hoyerswerda und dem Denkmal der III. Internationale von Vladimir Tatlin wandte sich Katharina Schmidt auch Bauten und Gebäudekomplexen zu, die architekturhistorisch eher bedeutungslos sind. So zeichnet Katharina Schmidt Bedarfsarchitektur wie Feriensiedlungen, Wohnsilos der Vorstädte und Einkaufszentren, deren Signifikanz darin besteht, dass die Materialität sichtbar ist und nicht durch formale Eingriffe kaschiert wird. Dabei geht es ihr nicht um das reine Abbild. Die Aquarelle, Bleistift- und Markerzeichnungen von architektonischen Strukturen und Motiven sind vielmehr Anlass nach einer "Ökonomie der Mittel" zu suchen, die auf das Medium Zeichnung übertragen, Parallelen mit der Rationalität der abgebildeten Motive aufweist. Durch die gleichberechtigte Behandlung von Repräsentations-Architektur, namenloser Architektur und scheinbar unwichtiger Details im Stadtraum werden Hierarchien zwischen Hoch- und Alltagskultur unkenntlich gemacht.

La Grande Motte, ein Tourismusprojekt aus den 60er und 70er Jahren imitiert mit pyramidenartigen Apartmenthäusern, die in ein Gefüge von Straßen, Plätzen und Straßenmöblierung eingebettet sind, eine kontinuierliche Stadtstruktur. Diese räumliche Situation, die Variationen im Dekor der vorgehängten Fassaden oder die Skulpturen im öffentlichen Raum sind Gegenstand der Papierarbeiten von Katharina Schmidt. Die Serie Neue Orte versammelt Motive, die aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen stammen. Schaufenster, Innenräume, Fassaden oder Skulpturen, die durch eine rationell geprägte Gestaltung Verwandtschaften aufweisen, verleihen der Serie einen inneren Zusammenhang.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte die Galerie M + R Fricke.

Press release M + R Fricke Berlin 2009

KATHARINA SCHMIDT - NEUE ORTE
25 June – 29 July 2011

In her early work, Katharina Schmidt engaged with motifs from the world of the everyday, such as signets and ornaments taken from packaging, promotional brochures, and instruction manuals. For her spatially extensive installations, Katharina Schmidt rendered these reproduced motifs—closely painted or silk-screened—on large rolls of paper, which she described as wallpaper (Stadt im Regal, Berlin, 1998; Bungalow, Z 2000, Akademie der Künste Berlin 2000; Die Kunst gesehen zu werden, Neuer Aachener Kunstverein, Aachen 2002).

Our current exhibition with Katharina Schmidt is devoted to the artist’s work in drawing, which forms the basis for her large-scale wall installations. The selection of the often “cut-out”-like motifs in these works on paper has latterly availed the artist of a more painterly language of form. A monochrome silk-screened poster, with the dimensions 106 x 150 cm, and entitled Plan nach #10-194, forms the starting point of the exhibition. On the poster one sees a closely rendered motif, after one of the artist’s oil paintings, which she worked upon digitally. It is made up of a composition of black lines, drawn sweepingly and with great power, which link similarly drawn ellipses. As background, this motif repeats itself in a softer way, until it reaches the edges of the paper. The rigorous rhythm of the repeating ellipses is broken by the imposition of random lines that counteract the ornamental character of the motif.

In addition, we are showing works on paper from the series La Grande Motte and Neue Orte in our exhibition.

Alongside her projects on Le Corbusier’s L’Unité d’Habitation, Marseille’s shopping center Centre Bourse, the concrete high-rises of Hoyerswerda, and Vladimir Tatlin’s Monument to the Third International, Katharina Schmidt has also considered buildings and developments that do not have significance within the history of architecture. Katharina Schmidt has thus also drawn functional architecture such as holiday resorts, suburban tower blocks, and shopping centers—the significance of which is the conspicuousness of their materiality, which is not concealed by formal intervention. For the artist, it is not about pure portrayal here. The watercolors, pencil and felt-tip pen drawings of architectonic structures and motifs are much more an occasion for a search for an “economy of means”—which, when applied to the medium of drawing, presents parallels with the rational nature of the depicted motifs. Through the equitable handling of celebrated architecture, no-name architecture, and seemingly unimportant details in the urban context, hierarchies between high and low culture are obliterated.

La Grande Motte, a holiday home project from the 1960s and 70s, uses pyramid-like apartment blocks, embedded in the surrounding framework of streets, squares, and street furniture, to imitate a continuous urban structure. This spatial situation, the variations in the décor of the curtained facades, or the public sculpture in the area are objects depicted in these works on paper by Katharina Schmidt.

The series Neue Orte collects motifs that come from very different connexions. Shop windows, interiors, facades, or sculptures, which through their rationally informed character display relationships that give the series its inner unity.

For further information please contact the gallery.

For further information please contact the gallery M + R Fricke.

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